Einfach leben – einfach leben

Ein schöner Titel – finden Sie nicht auch ?

Prägnant, kurz und doch mehrdeutig – je nach Betonung.

Schon seit geraumer Zeit versuche ich, mich den täglichen Konsumzwängen zu entziehen. Bei jeder Anschaffung überlege ich eigentlich sehr bewußt, ob dieser Kauf nun mein Leben wirklich nachhaltig bereichern kann (aber nicht im materiellen Sinn).
Und ich kann mit Fug und Recht behaupten, es gelingt mir mittlerweile recht gut den „Trends“ und „Hypes“ zu widerstehen.

Ob das eine Alterserscheinung ist, vermag ich nicht zu sagen, aber es läßt sich halt schon häufig beobachten, dass eher jüngere Generationen ziemlich unkritisch den aktuellsten Modeströmungen folgen.

Einfach leben bedeutet für mich aber nicht nur gezielter Konsumverzicht (dafür brauche ich auch nicht unbedingt eine Fastenzeit) sondern auch bewußtes Hinterfragen oder Infragestellen bestimmter „Besitz-Selbstverständlichkeiten“ (wie beispielsweise ein Zweitauto, welches man nur benötigt, weil beide Partner berufstätig sind), energieraubender Beziehungen (Sie kennen sicher auch „Zeit-Räuber“ und „Dauer-Jammerer“) oder im Grunde sinnloser Tätigkeiten (Autowaschen, Rasieren 🙂 ).

Mir geht es einfach so, dass nach bewußtem längerem Verzicht auch scheinbar kleine und bedeutungslose Dinge, ungeahnten Genuß bereiten können.

Genuß durch bewußte Enthaltsamkeit

Ich war unlängst wieder auf einer Wandertour unterwegs (naja, eigentlich bin ich das ja immer) und hatte schon längere Zeit Durst und Hunger. Im Wald wollte ich aber noch nicht jausnen, da ich mir eine bessere Aussicht wünschte. An der Waldgrenze war die Sonne gerade von Wolken verdeckt. Also weiter gehen. Am Gipfel war es zwar sonnig, aber eisiger Wind pfiff über den Kammverlauf.

Also immer wieder aufschieben und aufschieben. Dann aber – weiter unten – in der Sonne und bei Windstille – gönnte ich mir einige Schlucke Tee und eine Orange.

Und ich kann mich nicht erinnern, jemals so eine köstliche Orange verzehrt zu haben, aber im Grunde bin ich mir sicher, dass dieser Hochgenuss nur der zuvor geübten bewußten Enthaltsamkeit zu verdanken war.

Zusammenfassend läßt sich also sagen: Weniger ist mehr.

Aber bitte nicht mißverstehen. Mir ist schon bewußt, dass solche Aussagen angesichts des großen Hungers in der Welt mit Vorsicht zu genießen sind.

Basis für Zufriedenheit und Glück

In einer Zeit der schrillen Hektik und des permanenten Überflusses, der „Schnäppchenjäger“ und „Geiz-ist-geil-Mentalität“ tut es einfach gut, tief in sich hinein zu horchen, um festzustellen, dass man eigentlich gar nicht viel braucht zum Glücklichsein.

Wenn man es schafft, von unreflektierter Nachahmerei und sinnlosem Prestigedenken wegzukommen, statt ständig über Nachbars Gartenzaun zu schielen, ob dieser (der Nachbar, nicht der Zaun) einen Größeren hat (Swimmingpool, Wagen, was-auch-immer), wenn man es schafft, gezielt auf seine eigenen, wahren Bedürfnisse zu achten (das soll nicht heißen, dass man egoistisch sein soll), und dabei die Nachhaltigkeit eines Wunschtraumes zu hinterfragen, dann hat man den ersten Schritt zu einem zufriedenerem Leben gemacht, und damit auch bereits die erste Hürde in die Auszeit erfolgreich bewältigt – nämlich die Frage nach der Finanzierung.

Doch davon ein anderes Mal mehr.

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

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